Heldenzeit für Klimaschutz

Hintergründe

Aus erdgeschichtlicher Perspektive betrachtet hat sich das Klima oft dramatisch gewandelt, zum Teil in geologisch relativ kurzen Zeiträumen. So endete etwa die letzte Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren, über einen Zeitraum von 2000 Jahren. Auch in den vergangenen 1.000 Jahren hat es mehrfach ausgesprochene Warmphasen und Abkühlungen gegeben. Seit Beginn der Industrialisierung (ab ca. 1860) erleben wir aber einen beispiellosen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur (in den letzten 100 Jahren ist die mittlere Temperatur um 0,76°C angestiegen) und die Meldungen über Rekordtemperaturen häufen sich in jüngster Zeit.

Was also können Ursachen und Folgen dieser Temperaturveränderungen auf der Erde sein?

Ursachen

Klimawissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass die Hauptursache für die aktuelle Klimaerwärmung der von uns Menschen gemachte Treibhauseffekt ist, sprich der Anstieg der C02-Konzentration in der Atmosphäre durch das Verbrennen fossiler Energien wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Mittlerweile beträgt der jährliche C02 Ausstoß durch den Menschen 28 Milliarden Tonnen und ist somit um 80 Prozent höher als noch im Jahr 1970. Die Konzentration von C02 in der Atmosphäre hat von 280ppm (parts per million) 1880 auf heute 381ppm zugenommen. Zurückverfolgen können wir die letzten 650000 Jahren, dort war der C02-Gehalt der Atmosphäre auch in den wärmsten Zeiten nie höher als 300 ppm.

Der Treibhauseffekt

Die Atmosphäre, also die dünne Gashülle, die die Erde umgibt, ist wichtig für den Temperaturhaushalt der Erde. Ohne ihren natürlichen Treibhauseffekt, der die von der Erde ausgehenden Wärmestrahlen reflektiert, läge die mittlere Temperatur der Erde nicht wie jetzt bei +15°C sondern bei sportlich winterlichen -18°C. Ein Leben auf der Erde wäre also nicht möglich. Dieser Effekt ist auf den Wasserdampf, das Kohlendioxid und andere Gase und Partikel in der Atmosphäre zurückzuführen.

Durch die großen Mengen, zusätzlich zu der natürlichen Konzentration der Luft, ausgestoßenen Treibhausgase (insb. Kohlendioxid) verstärkt sich der natürliche Treibhauseffekt, was zu der  beschriebenen Klimaerwärmung führt.

Die großen Quellen für Treibhausgase

Der größte Anteil an C02 entsteht auch in Deutschland durch die Verbrennung fossiler Energiequellen ( Braun- oder Steinkohle, Öl und Gas) zur Gewinnung von Strom.

Außerdem trägt der Verkehrssektor mit seiner zunehmenden Flugzeug- und Autonutzung zur stetigen Zunahme der Treibhausgase bei. Zwar wird das einzelne Auto sparsamer im Verbrauch, aber die Menge des Verkehrs insgesamt steigt in dem Maße an, dass am Ende doch eine wachsende CO2-Rate zu beobachten ist. Die Industrie ist mit einem Anteil von 13 Prozent als drittgrößte Quelle zu nennen, zumal sie der größte Stromverbraucher ist und somit indirekt auch für das dort freigesetzte CO2 verantwortlich ist.

Auch die Landwirtschaft trägt ihren Anteil: Der überwiegende Teil der weltweiten Methanemissionen geht auf Nassreisfeldbau und Rinderzucht zurück. Zur Schaffung von Weideland werden mit den Wäldern zusätzlich CO2-Speicher abgeholzt. Wachsende Wälder genau wie Ozeane, natürliche Böden und Pflanzen sind bis zu einem bestimmten Grad in der Lage, aus der Atmosphäre zusätzliches CO2  aufzunehmen. Da sich auch die Ozeane erwärmen geht ihre Fähigkeit CO2 aufzunehmen aber seit einigen Jahren deutlich zurück.

Folgen

Die Folgen der Klimaerwärmung sind vielfältig und mittel- oder langfristig gravierend:

Wetterextreme (Hochwasser, Wirbelstürme, …) werden häufiger und stärker ausfallen mit entsprechend erhöhten Schadensfolgen. Klimaanomalien (z.B. El Niño) können sich deutlicher herausbilden oder verlagern. Der Meeresspiegel steigt und droht große Teile von Ländern wie Bangladesch oder viele Südseeinseln dauerhaft zu überfluten.

Das Klima wird sich regional erheblich verändern, so dass in manchen Gegenden Probleme bei der Wasser- und Nahrungsversorgung drohen, während andernorts der Niederschlag oder die Sonneneinstrahlung zunimmt, was dort eventuell zu günstigeren Wachstumsbedingungen führt. So werden sich etwa in Deutschland die Weinanbaugebiete wohl weiter nach Norden verlagern. Fraglich ist allerdings, ob sich die Landwirtschaft regional und global schnell genug auf den Klimawandel einstellen kann. Welche Regionen eher Verlierer oder Gewinner des Klimawandels sein werden, versuchen die Klimaforscher mittels Klimasimulationen zu ergründen, deren Ergebnisse aber noch relativ weit streuen. Bei den Folgen des Klimawandels vor allem für Menschen in Entwicklungsländern bleibt es aber zynisch, wegen einigen Klimawandelfolgen, z.B. der nach Norden wandernde Weinbau, mehr Touristen an der Ost- und Nordsee, von „Gewinn“ zu sprechen oder gar deswegen auf Klimaschutzmaßnahmen zu verzichten.

Sicher scheint jedoch, dass viele Arten die Klimaerwärmung nicht überleben. Korallenriffe, die nach den Regenwäldern artenreichsten Ökosysteme, sind zum Teil schon durch die Erwärmung des Wassers abgestorben und in weiteren Bereichen bereits bedroht. Manche Arten werden sich dagegen besser entfalten und ausbreiten. So tauchen in Südeuropa Insekten auf, die bisher nur aus Afrika bekannt sind. Dies kann zur Verbreitung tropischer Krankheiten im Norden führen.

Konsequenzen für Deutschland

Für Deutschland steigt die Sturmflutgefahr an der Nordseeküste durch die Meeresspiegelerhöhung und ohne entsprechende Änderung der Deichhöhe würde bei dem vorausgesagten Anstieg 30 Prozent von Hamburg und fast 90 Prozent von Bremen von Überflutungen betroffen sein. Es ist mit Trinkwasserversalzung, Verschlechterung der Böden und der Bedrohung des Ökosystems Wattenmeer zu rechnen.

Aufgrund der erhöhten Niederschlagsmenge hat die Ostsee eher mit ihrem abnehmenden Salzgehalt zu kämpfen, was das Überleben einiger Fischarten (z.B. Heringe, Dorsch, Sprotte) gefährdet.

Auch in Deutschland erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme und Starkniederschläge. Die Gletscher schmelzen ab (bis 2050 werden wohl die Hälfte aller Skigebiete der deutschen Alpenregion geschlossen) und es kommt vermehrt zu Flusshochwasser.

 

Das sind die Konsequenzen, die in Ansätzen heute schon zu beobachten sind - doch wie sieht es in der Zukunft aus?

Prognosen

Um verschiedenen möglichen zukünftigen Einflüssen gerecht zu werden, arbeitet die Wissenschaft mit einer Vielzahl von Szenarien, in denen sie die Folgen des Klimawandels in Abhängigkeit zu sich wandelnden Rahmenbedingungen errechnet und beschreibt. Laut dem 4. Bericht der IPCC (einem internationalen Gremium von UN-Klimawissenschaftlern) wird die C02-Konzentration bis ins Jahr 2100 auf 540 bis 970 ppm (vgl. heute:  381 ppm) weiter ansteigen, die Temperatur wird auf eine Zunahme von 1,4 bis 5,8°C projiziert und entsprechend intensiv werden die Folgen des Klimawandels sein.

Inwieweit sich der Klimawandel auswirkt und wie stark die Folgen ausgeprägt sind, hängt von der Wirksamkeit der Klimaschutzmaßnahmen ab. Soll die Erwärmung auf, für die Erde und die darauf existierenden Ökosysteme, halbwegs erträgliche zwei Grad begrenzt bleiben, darüber sähen wir einen unkontrollierbaren Klimawandel, müssten dagegen die Emissionen erstmals schnell und drastisch sinken, laut IPCC bis zum Jahr 2050 global um 60 Prozent. Da wir aber vielen Ländern noch Entwicklungspotential und steigende C02 Emissionen zubilligen müssen, müssen wir (als entwickelte Länder und bisherige Hauptemittenten von C02) unsere Emissionen bis 2020 um 40 Prozent, bis 2050 um 80 Prozent-90 Prozent (!) reduzieren.

Was können wir persönlich oder aber als Menschheit tun, um dieses Ziel zu erreichen und mit den Folgen des Klimawandels umzugehen?

Maßnahmen

Vermeidung des Unbewältigbaren

Um die Veränderung des Klimas so gering wie möglich zu halten, müssen sowohl Politik und Wirtschaft die entsprechenden Weichen stellen, muss aber auch jede(r) Einzelne seinen Beitrag leisten. Und kann ein Wandel des Klimas, der ja bereits im Gange ist, auch nicht aufgehalten werden, so ist es doch in unser aller Verantwortung, ihn so gering wir möglich zu halten, damit die Folgen bewältigt werden können.

Die deutsche Regierung sieht ihre Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel. Bundesumweltminister Gabriel hat in einer Regierungserklärung einen 8-Punkte-Plan (siehe www.bmu.de/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/39237.php) vorgestellt, der auch bei den Umweltverbänden als ambitioniert gilt – so denn auch entsprechende Taten folgen. Doch selbst wenn Deutschland das energieeffizienteste Land der Welt wäre – Klimaschutz ist ein globales Thema, genau wie die Auswirkungen des Klimawandels ein globales Problem sind.

 

Das Kioto-Protokoll, das UN-Klimaabkommen gilt noch bis 2012. Dort haben sich die Industriestaaten verpflichtet, ihre Emissionen zunächst moderat zu reduzieren. In Bali im Dezember 2007 wurde der Rahmen für das Nachfolgeabkommen verhandelt. Bis 2009 soll das Abkommen fertig sein, damit die Länder Zeit haben es zu unterzeichnen (ratifizieren). Während der kommenden zwei Jahre ist es wichtig, dass die Zivilgesellschaft den Politikern zeigt, das ihnen ernsthafter Klimaschutz sehr wichtig ist, besonders während der Konferenzen in Posen (Polen) im Dezember 2008 und in Kopenhagen im Dezember 2009, wo das Kioto-Nachfolgeabkommen verabschiedet werden soll.

Der Ausbau, bzw. Neubau von Kraftwerken für fossile Energieträger muss eingestellt werden – damit würde sich auch die Wettbewerbsfähigkeit klimaschonender Alternativen deutlich verbessern. Die vom Treibhausgasausstoß verursachten Schäden sollten sich soweit wie möglich in den Preisen von Produkten niederschlagen. Steuerbefreiung für große Dienstwagen und ihren Treibstoff oder für Flugbenzin passen in diese Zeit nicht mehr rein. Weichen müssen gestellt werden, um die weltweite Stromproduktion auf klimafreundliche Technologien umzustellen.

Die Wirtschaft muss sich ihrer Verantwortung für den Klimaschutz bewusst werden und sich aktiv für mehr Klimaschutzmaßnahmen einsetzen. Die Nutzung fossiler Energien im großen Maßstab sollte durch Investition in erneuerbare Energien und Effizienztechnologien ersetzt werden. Betriebliche Öko-Bilanzen sollten erstellt und verbessert werden. Nur Unternehmen, die sich auf den Klimawandel rechtzeitig einstellen, werden von seinen direkten und gesetzlichen Folgen verschont werden und können zum Standortvorteil Deutschlands, z.B. in den Erneuerbaren Energien beitragen.

Doch nicht nur auf globaler Ebene muss sich etwas ändern, denn es reicht nicht, nur Absichtserklärungen zu unterschreiben und große Ziele zu verfolgen. Jede Person kann etwas tun, um das Klima zu schützen und mit einer Vielzahl von kleinen Maßnahmen bei sich selbst beginnen die Welt zu verändern. Hierzu findet ihr unter der Rubrik Tipps Hinweise und Tipps, die zum großen Teil nicht nur für das Klima, sondern auch für euren Geldbeutel klare Vorteile haben.

Anpassung an das Unvermeidbare

Selbst mit allen vereinten Kräften lässt sich der Klimawandel nicht mehr ganz stoppen bzw. sind ja bereits jetzt die Folgen des Klimawandels in vielen Staaten der Welt nicht zu übersehen, insbesondere sind die armen Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, nun von ihnen betroffen. Hier gilt es nicht nur im eigenen Land, z.B. durch die Vergrößerung von Deichen etc. Anpassungsmaßnahmen zu treffen, sondern es muss auch für eine ausreichende Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an Klimaschäden in besonders betroffenen Ländern gesorgt werden, ebenso für strukturelle Hilfen beim Aufbau von klimafreundlichen Technologien.

 

Es lohnt sich, um jedes Grad, ja jedes Zehntel Grad vermiedene Temperaturerhöhung zu kämpfen.

(Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und einer der beiden Klimaberater von Bundeskanzlerin Merkel http://www.germanwatch.org/zeitung/2007-1-int.htm)

 

 

Fünf bis sechs Grad (wärmer), das gibt einen anderen Planeten, auf dem es nicht möglich sein wird, eine Hochkultur, wie wir sie kennen, aufrechtzuerhalten. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.»

(Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises in Aachen, 28.10.2007)