Herr der Ringe - Ein Zwerg vor Gericht

 

Lösungsstrategien für Konflikte auf dem StaVo-ZEM in Kaikar Wissel

Am 06.07.2003 war es soweit! Vertreter der freien Völker Mittelerdes folgten: dem Ruf Gandalfs (Bibo) und machten sich auf die Reise in die Gaststätte "Zum tänzelnden Pony".

Das ZEM stand unter dem Motto "Der Herr der Ringe", was (wie sich später herausstellen sollte) ein sehr geeigneter roter Faden für das Thema Konfliktmanagement und Moderation war.

Die Gruppeneinteilung fand gemäß den Wünschen der Teilnehmenden in einige der Völker Mittelerdes statt. Zur Auswahl standen Eiben, Hobbits, Waldläufer und Zwerge, die alle ihre Eigenheiten hatten: Eiben waren melancholisch und hingen hohen Idealen nach, Hobbits waren eher einfache und friedliche Gemüter, die ihren Stundenplan nach den Mahlzeiten ausrichteten. Waldläufer waren vor allem undurchsichtig und verrufen, aber edel. Zwerge waren dickköpfig und habgierig. Ich persönlich bin den Waldläufern zugeteilt gewesen...

Nach zwei Stunden Fahrt betrat ich also das "tänzelnde Pony". Nachdem ich mich nun bei dem Wirt Butterblume angemeldet hatte, versuchte ich, mich möglichst locker unters Volk zu mischen und nach bekannten Gesichtern Ausschau zu halten. An einem Tisch saß Kerstin, die genau genommen Frodo war. Sie trug den einen Ring an einer Kette um den Hals und sprach ganz in Hobbitmanier.

Nach und nach trudelten immer mehr Waldläufer, Zwerge, Zauberer und Hobbits ein. Der Schankraum füllte sich und das Abendessen wurde aufgetischt. Plötzlich entbrannte ein Streit: Curufin (Gregor), ein Elb, und Gloina (Ute), eine Zwergin, gerieten aneinander. Dies war nicht weiter verwunderlich. Diejenigen, die mit der Materie "Der Herr der Ringe" vertraut sind, werden zustimmend nicken und bestätigen, dass die Streitigkeiten zwischen Eiben und Zwergen schon sehr alt sind.

Frodo teilte mit, dass er den Ring nicht mehr habe. Der Aufruhr war groß und somit stand die Aufgabe für das Wochenende fest: wir mussten mit vereinten Kräften den Herrscherring wiederfinden!

Zu diesem Zweck trafen wir uns dann noch am selben Abend in unseren Volksgruppen. In Rollenspielmanier füllte jeder einen Charakterbogen aus, der zur Vorstellung in der kleinen Runde zugezogen wurde. Zudem setzten wir uns mit unseren bisherigen Konfliktlösungsstrategien auseinander. Das alles hatte einen gewissen Unterhaltungswert und machte Teile von uns hungrig, so dass sich vor allem die Hobbits über das Nachtmahl freuten. Das Frühstück am nächsten Morgen sollte die erste von sieben Mahlzeiten des Tages sein. Bevor wir uns wieder in den Volksgruppen trafen, machten wir eine kurze erlebnispädagogische Spieleinheit, bei der wir ein Schmuckstück Gandalfs aus den Totensümpfen bergen sollten, nur mit Hilfe eines Seiles, eines Baumes und den Fähigkeiten der Großgruppe.

Dann bekamen wir eine Menge Input, der sich mit Konflikttheorien auseinander setzte. Nun hatten wir die Aufgabe, das Erfahrene anhand von Textstellen aus dem literarischen Werk J. R. R. Tolkiens, das unserem Wochenende zu einem Oberthema verholfen hatte, anzuwenden. Ich war ehrlich gesagt mächtig überrascht, wie gut das funktionierte. Wir verbrachten damit die Zeit bis zum Mittagessen, unterbrochen durch das 2. Frühstück und den 11-Uhr-Tee sowie eine Flussüberquerung. In der nachmittäglichen Arbeitseinheit befassten wir uns mit dem Transfer des Themas in unsere Leiterrunden. Dabei darf ich nicht vergessen, dass wir noch einen Nachmittagstee hatten.

Nach dem Abendessen ging es kostümiert ins Gelände. Wir waren wieder in den Gruppen unterwegs und bekamen es mit Dunkelelfen, Grabunholden, Räubern, handelnden Waldläufern, Schätze bewachenden Zwergen und heilenden Waldfeen zu tun. Wir brauchten einige Zeit, bis wir feststellten, dass jede Gruppe einen Teil des Rätsels auf der Suche nach dem einen Ring zu lösen bekam und wir ihn nur gemeinsam finden konnten. Nach einer stundenlangen Hatz stellte sich heraus, dass Saurons Ring in Gloinas (also Utes) Zwergenschatztruhe war. Dies bot Curufin (Gregor) die Möglichkeit, nochmals seine Vorbehalte gegen die Zwerge vorzubringen und die Menge gegen Gloina aufzubringen. Gandalfs Weisheit war es zu verdanken, dass die alles heftig abstreitende Gloina zum tänzelnden Pony geführt wurde, damit es einen fairen Prozess gebe.

Zeugenaussagen wurden gehört, Indizien gesammelt, Verschiedenes erörtert, bis sich die Vertreter der Völker wieder in ihre Ecken verzogen, um die gesammelten Daten auszuwerten. Alle Gruppen kamen zum gleichen Ergebnis: Curufin entwendete Frodo den Ring, um ihn in Gloinas Familienschatz zu verbergen.

Schon wollten einige das Urteil über Curufin sprechen, als den edlen und heldenhaften Recken der Waldläufer der Gedanke kam, Curufin, den Elb, zu seinen Beweggründen zu befragen. Dieser gab auch bereitwillig Auskunft. Wer sich mit der Geschichte Mittelerdes eingehender befasst hat, wird die Geschichte von dem Ursprung der Streitigkeiten von Elben und Zwergen kennen. Ein Elbenkönig gab bei den Zwergen ein Schmuckstück in Auftrag. Diese erledigten die Aufgabe zur vollen Zufriedenheit. Dummerweise gefiel ihnen das Werk so gut, dass sie es behalten wollten. Zudem gab es noch Probleme mit der Bezahlung. Das Ende vom Lied war, dass sich alle gegenseitig umgebracht haben, und die Söhne des Elbenkönigs Rache schworen. Curufin entstammte nun diesem Geblüt und wollte den Eid erfüllen. Gloina war eine direkte Nachfahrin des Zwergenkönigs.

Da solche Schwüre bei den Elben von hoher Bedeutung waren, stimmte die Gerichtschaft im tänzelnden Pony dafür ab, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Curufin sollte sich der Mission der Gemeinschaft des Rings nützlich erweisen und die Gefährten unterstützen.

Nach diesen aufregenden Ereignissen freuten sich nicht nur die Hobbits über ein Nachtmahl.

Am nächsten Tag befassten wir uns außer mit einer ausgiebigen Reflexion noch mit einer kurzen Einheit über Zuschüsse. Da fiel mir auf, wie wenig beneidenswert die MitarbeiterInnen im Diözesanbüro sind, weil doch allerhand falsch ausgefüllt wird.

Unterm Strich habe ich festgestellt, dass ich noch einiges lernen konnte, stark motiviert bin, dies umzusetzen und dass ich vor allem viele nette Leute kennen gelernt habe.

Sascha.