Der Ring der Nibelungen

Kommunikation, Konfliktmanagement und Teamarbeit

Die Inszenierung des "Rings der Nibelungen" im Opernhaus zu Venusberg stellte den erprobten Zuschauer vor neue Herausforderungen. Die bewusst sehr einfach gehaltenen Bühnenbilder und Kostüme ließen Freiraum, sich auf das Entscheidende - nämlich das Stück - zu konzentrieren. Die Inszenierung selbst war auch dem laienhafte Betrachter leicht zu erschließen und kam erfreulicherweise ohne postmoderne Extravaganzen aus.

Während Bühnenbild und Kostüm in der eher nüchtern anmutenden Spielstätte eine stimmungsvolle Opern- und anregende Diskussionsatmosphäre schufen, stellte das Gesamtkonzept immer wieder eine Verbindung zu den nachhaltigen Bedürfnissen der Opernkenner her.

Es wurde ein gewagtes und häufig unterschätztes Thema in vier Akten auf die Bühne gebracht: Das Rheingold (Teambildung), die Walküre (Teamarbeit), Siegfried (Kommunikation) und die Götterdämmerung (Konflikte). Die Darstellung war dabei sehr abwechslungsreich und die Zuschauer wurden aktiv mit einbezogen. Schnell wurden wir zu Mitwirkenden am ganzen Geschehen.

Dabei war fast nebensächlich, dass aufgrund des Verdi-Streikes weder Orchester noch Dirigent anwesend waren. Lediglich der Barde, welcher die Rolle des Erzählers übernahm, und die Darsteller des Verona-Ensembles waren anwesend. Letztere rundeten die Einführungen in die jeweilige Oper mit erlebnispädagogischen Übungen ab, die gleichzeitig einen Einstieg in die Themen Teambildung, Teamarbeit, Kommunikation und Konflikte darstellten.

Diese sechs waren äußerst sympathisch und vielseitig. Sie brillierten in ihren Rollen mit verschiedenen Qualitäten und Stärken. Zudem waren alle hoch motiviert und hatten stets ihr Ziel vor Augen. Besonders aufgefallen ist Stefan in seiner Rolle als Schicksalsgöttin Erda. Er hinterließ aufgrund seines umfangreichen Wissens über die Nibelungensaga nachhaltig Eindruck bei den Besuchern. Nicht unerwähnt bleiben dürfen in diesem Zusammenhang natürlich auch Bibo als wollüstiger Göttervater Wotan, Kerstin als Zwerg Mime, Christiane als Rheintochter Floßhilde und Nikolaus als Rheintochter Woglinde. Durch den Opernzyklus geführt hat als Barde Dr. Gregor Wagner.

Die Gesamtinszenierung litt allerdings an der wagnertypischen Länge - lediglich sechzehn des ansonsten über 20 Stunden andauernden Rings kamen zur Aufführung. Die Intention wurde dennoch insgesamt gut vermittelt. Veronas hilfsreiche Aussage erreichte den Besucher schnell und dauerhaft. Der Zyklus wirkte auf den Betrachter mit einer starken Katharsis, neue Ansichten lernte man zu erschließen. Nun wissen wir: Die Nibelungen waren kein Vorbild für gelungene Verständigung. Ein sinnvoller Umgang mit Konflikten sieht anders aus und ein konstruktives Miteinander im Team ebenfalls. Durch den Opernbesuch haben wir dazugelernt und konnten unseren Wissensschatz über Kommunikation, Konfliktmanagement und Teamarbeit erweitern, damit uns im Stamm nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Siegfried und die Seinen. 

Nicht zuletzt Dank der Starbesetzung absolut empfehlenswert. Es bleibt zu hoffen, dass in der Saison 2006/2007 ein ähnlich ansprechendes, bildungswertvolles, unterhaltsames, interaktives und in Gedanken bleibendes Programm aufgeführt wird. Vielleicht treffen wir uns dann alle wieder - auf dem Clubschiff Aida?

Für die Besucher

Opernkritikerin Susanne Moorkamp

Anmerkung der Redaktion: Es existieren noch mehr Fotos von diesem ZEM. Wendet Euch bei Interesse vertrauensvoll an Eure Veronas.