A-Team

Wenn ein Plan funktioniert

Konfliktmanagement und das Einstiegsgespräch

"Das hier kann doch jetzt nicht Euer Ernst sein" - ungefähr so lauten meine Gedanken nach der ersten Minute VeronaZEM. Ich komme von einer neuen Siedlung, die noch kein Jahr alt ist, bin zum ersten Mal dabei und rutsche auf einem Stuhl hin und her, der mit vielen anderen das Schicksal teilt, artig in Reih und Glied zu stehen. Vor mir spult Teamerin Christiane gerade einen peinlichen PowerPoint-Vortrag über Dinge ab, die ich 1:1 im Woodbadgeordner nachlesen kann. Das alles sind ja beste Aussichten für eine langweilige Zeitverschwendung.

Dann springt plötzlich Teamerin Kerstin auf und beginnt ein "Streitgespräch" mit Christiane in Sachen Methodik. "O.k.", denke ich, "reingefallen". Hier sollte wohl Betroffenheit erzeugt werden nach dem Motto "Wie man es besser nicht macht" - hat in meinem Fall funktioniert.

Kerstin streitet noch ein bisschen mit Christiane weiter, dann verlässt sie den Raum mit der Ankündigung, Hilfe zu holen. Das Licht geht aus, wir sitzen im Dunkeln und aus einem Ghettoblaster ertönt die Titelmelodie einer Actionfernsehserie, die ich noch aus meiner schon etwas zurückliegenden Jugend kenne. Als das Licht wieder angeht, "fährt" ein Van in den Raum und dann sind sie da: Amy Christiane Allen, Face Man Kerstin, H.M. Gregor Murdock und natürlich himself, Hannibal Nikolaus Smith - kurz gesagt das A-Team. Es fehlt B.A. Bibo Baracus, aber der leidet noch unter den Nachwirkungen seines Schlafmittels gegen die Flugangst und wird erst am nächsten Tag zu uns stoßen (Kleine Bemerkung am Rande: Mir kam es so vor, als ob die Verteilung der Rollen in der AG Verona nicht allzu lange gedauert hat...).

Das A-Team ist fest entschlossen, uns gegen die Tücken der Leiterausbildung im neuen Ausbildungskonzept der DPS und - Ihr wisst es schon - G zu helfen. Hannibal hat, wie immer, bereits einen Plan: Als erstes wird die Paradeaufstellung der Stühle entfernt und durch locker im Raum verteilte Stehtische mit Kerzen darauf ersetzt. Eine Lichterkette wird aufgehangen, Cola (natürlich keine Coca...) und Limo herbeigezaubert und zu meiner großen Freude ein Pittermännchen angeschlagen  "schon viel besser", denke ich.

In der nun folgenden Zeit bis Sonntag-Mittag helfen die fünf uns, die Herausforderungen der neuen Ausbildungsordnung zu bewältigen. Wir finden uns in einem Film wieder, der vom Einstiegsgespräch mit dem neuen Leiter über die Praxisbegleitung in den Gruppenstunden bis hin zur Abgabe von Verantwortung das Leiterleben vorspielt. Dabei kommen neben Gesprächen, Rollenspielen und kurzen Inputs von außen, wie es sich für einen guten Film gehört, auch Actionsequenzen vor, in denen Handeln gefragt ist: Der Code des Sloganizers muss geknackt werden, die Gruppen-Pipeline und Leonardos Brücke wollen gebaut werden und zwischendurch muss Murdock ganz handfest aus dem Veteranenkrankenhaus des Bausteine-Zems befreit werden.

Fast nebenbei bekommen wir Wissen zu Themen wie Gruppenphasen, Konfliktlösungen, themenzentrierter Interaktion und Partizipation vermittelt – ganz ohne Stuhlreihen und PowerPoint. Dabei behält der Film bis zum Schluss seinen Spannungsbogen bei. Am Sonntagmorgen ist der Besuch des World-Cafés ein echter Höhepunkt und im großen Finale müssen wir aus einem von Face organisierten Materialdurcheinander unter Zuhilfenahme des Werkzeugparks von B.A. für jeden Teilnehmer eine Kladde mit den Inhalten des Verona-ZEMs zusammenwerkeln, wie im richtigen Fernsehleben natürlich unter enormem Zeitdruck. Das ganze funktioniert, aber nur deswegen, weil wir den Begriff Teamwork verinnerlicht haben.

Nachdem der Van eingefahren war, habe ich mich bis zum Eintreffen der Militärpolizei keine Minute mehr gelangweilt - auch nicht, als wir Freitag nach 23:00 Uhr (!!!) immer noch bei der Sache waren. Falls sich jemand gefragt haben sollte, warum das Verona-ZEM als einziges keinen Beitrag zur Heldenhitparade geliefert hat, weiß er nun die Antwort: Wir hatten einfach zu viel zu arbeiten...

Liebe Gruppenleiter, wenn Ihr den Eindruck haben solltet, dass Eure StaVos seit dem ZEM irgendwie verändert sind, dann könnte das am A-Team liegen. Ich als Neuling habe jetzt jedenfalls den Eindruck, verstanden zu haben, worum es im neuen Ausbildungskonzept geht und wie ich es umsetzen kann. Das A-Team hat mich überzeugt und wir werden die AG Verona schon bald in unsere Leiterrunde einladen, u.a. um uns beim Sprung von der Orientierungs- in die Vertrautheitsphase zu helfen (Amy, wir haben wirklich aufgepasst...).

Ein Wort zum Schluss: Liebes A-Team, das war eine absolut filmreife Leistung. Die StaVos verleihen Euch einen Oscar in Methodik und einen in Sachen Atmosphäre!

Ach so - was ich mir auch noch gemerkt habe, ist der Unterschied zwischen einem Pessimisten und einem Optimisten: Der Pessimist sieht in jeder Aufgabe ein Problem, der Optimist in jedem Problem eine Aufgabe :-)

Rainer