Was bedeutet es, sich nachhaltig zu ernähren?

Sieben Grundsätze für eine nachhaltige Ernährung kann man nennen (nach Koerber und Kretschmer 2006):

  •  Der Hauptteil unserer Nahrung sollten pflanzliche Lebensmittel sein und nur wenig oder gar kein Fleisch.  
  • Am besten Lebensmittel aus kontrolliert ökologischem Anbau  kaufen
  •  Regional angebaute Lebensmittel kaufen, die gerade Saison haben: Das vermeidet lange Transportwege, Konservierung und Kühlung!
  •  Wenig verarbeitete Lebensmittel sind oft frischer und leckerer als Fertiggerichte und haben eine bessere Energiebilanz
  •  Möglichst auf Verpackungen verzichten oder gering verpackte Lebensmittel wählen
  • Ja zum fairen Handel!
  • Schmecken darf es trotzdem noch: Essen soll Spaß machen und ein Genuss sein!

Nachhaltige Ernährung heißt also, so zu essen, dass sowohl Anbau als auch Transport, Lagerung und Verkauf sowohl ökologisch, ökonomisch, kulturell und sozial vertretbar sind. Große Aufgabe, oder? 

Essen für den Müll?!

Den sieben Grundsätzen kann man noch einen 8. hinzufügen: Nur so viele Lebensmittel kaufen, wie man auch essen kann!“

Ist doch selbstverständlich, sagt ihr? Dennoch landen weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel jährlich auf dem Müll. Mit dieser Menge könnte man alle hungernden Menschen auf der Welt dreimal satt bekommen.

Im WWF-Film "Waste" gibt es Informationen zur Nahrungsmittelverschwendung als 6-Minuten-Film

Warum wenig oder gar kein Fleisch?

Zu viel ist zu viel

Viele Menschen argumentieren, dass Menschen von „Natur aus“ Allesfresser sind und Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung dazu gehört.  Im Prinzip ist das auch richtig. Doch unser Fleischkonsum ist in den letzten Jahrzehnten so stark gestiegen, dass Fleisch essen weder für uns noch für unsere Umwelt gesund ist.

Ein paar Fakten:

40 kg Fleisch isst der durchschnittliche Weltbürger im Jahr  - mit sehr ungleicher Verteilung.  Ein Mensch in Burundi (Ostafrika) verzehrt 3,5 kg im Jahr, ein Mensch in den USA 120 kg!  In Deutschland liegt der Fleischverbrauch bei 88 kg pro Kopf und Jahr.  Davon ca. 13 kg Rindfleisch, 55 kg Schweinefleisch, 19 kg Geflügel und 1 kg Schaf. Das sind statistisch für jeden Deutschen in seinem Leben 1094 Tiere, die auf dem Teller landen.

Zwischen 1970 und 2009 hat sich die Fleischproduktion weltweit von knapp über 100 Millionen Tonnen auf fast 300 Millionen Tonnen verdreifacht.  Ernährungsforscher gehen davon aus, dass sich der Fleischkonsum  bis zum Jahr 2015 auf 465 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit verdoppeln wird (mehr Infos hier)

Bohnen statt Schnitzel ...

1850 aß jeder Deutsche noch 20 kg Hülsenfrüchte (also z.B. Erbsen, Bohnen, Linsen…), heute sind es nur noch 0,5 kg im Durchschnitt. Dabei machen Hülsenfrüchte satt, enthalten viel Eiweiß und sind sogar eine gute Vorbeugung für Diabetes. Probiert das doch einfach mal aus!

Noch mehr Informationen über den Fleischkonsum und dessen Auswirkungen findet ihr beim WWF.

Fleisch haut uns den Boden weg…

Zudem ist die Herstellung von Fleisch sehr aufwändig. Fast die Hälfte der weltweit produzierten Nahrung wird an Tiere verfüttert, um Fleisch herzustellen. Dieser Vorgang nennt sich Veredelung.  Das heißt allerdings, dass über ein Drittel der gesamten Landmasse weltweit für den Futtermittelanbau genutzt wird. Viele Böden werden überstrapaziert und Flächen, die der Viehmast dienen, überweidet. Überweidete Flächen wiederum sind anfälliger für Erosionen. Bei starken Regenfällen wird der fruchtbare Boden einfach weggeschwemmt und geht für immer verloren. 

Dabei ist gar nicht genug Boden da …

Ihr habt bestimmt schon vom ökologischen Fußabdruck gehört?! Der ökologische Fußabdruck berechnet die Fläche, die benötigt wird, unsere Nahrung, Kleidung, Brennstoffe usw. zu produzieren.  Dazu gehört eben auch Weideland, um das Futter für unseren Fleischkonsum zu züchten.  In Deutschland liegt der durchschnittliche Fußabdruck bei ca. 4,6 ha pro Kopf. Im Moment sind aber für jeden Menschen nur  ca. 2 ha vorhanden. Wir verbrauchen also doppelt so viel Erde, wie eigentlich da ist. Das funktioniert? Noch!

Die Frage ist – wie lange noch!?

Berechnet doch auch mal euren eigenen ökologischen Fußabdruck!

CO2 satt!

CO2, also Kohlenstoffdioxid, ist in aller Munde. Es wird für den viel diskutierten Klimawandel verantwortlich gemacht. Als Treibhausgas sammelt es sich in der Erdatmosphäre und verdichtet diese.

Klingt erst mal nicht schlimm, aber die verdichtete Atmosphäre wirkt wie ein Treibhaus (daher auch Treibhauseffekt). Sie lässt weniger Sonnenstrahlung zurück ins All, als sie hineinlässt – auf der Erde wird es immer wärmer.  Und Fleisch ist mit einer der Verursacher von CO2.

 

20 Prozent unseres persönlichen CO2- Ausstoßes werden durch die Produktion von Nahrungsmitteln produziert. Knapp die Hälfte davon nur durch die Herstellung von Fleisch. Dabei liegen wir mit unserem CO2-Ausstoß in Deutschland schon weit über dem, was die Erde verkraften kann: 11 Tonnen pro Kopf und Jahr schicken wir in die Atmosphäre – gut verträglich wären zwei.  

Umfassende Informationen zum "Klimawandel auf dem Teller" (WWF) findet ihr hier.

Virtuelles Wasser - 13 Badewannen für einen Burger!

Den Begriff „Virtuelles Wasser“ hat Tony Allen erfunden. Er bezeichnet den Wasserverbrauch, den die Herstellung eines Produktes erfordert und der oftmals sehr viel höher ist, als wir uns das vorstellen. So verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt 23 Badewannen voll Wasser täglich, das sind  über 4000 Liter am Tag!Besonders Fleisch benötigt in seiner Herstellung viel virtuelles Wasser: So stecken in einem Kilo Rindfleisch 15.500 l virtuelles Wasser – für den Anbau von Futtermitteln, die Aufzucht des Rindes, das Schlachten und die Verarbeitung. Wer genauere Zahlen wissen möchte und auch mal den virtuellen Wasserverbrauch von Schweine- und Hühnerfleisch, Milch, Eiern und Käse entdecken möchte, kann hier nachsehen:

„Ich kann aber nicht ohne!“

Welches Fleisch darf es sein?  – Warum Bio besser ist

Besser für die Umwelt:

o   die Herstellung von Biofleisch hat einen geringeren CO2 Ausstoß als die konventionelle Tiermast

o   mind. 20 Prozent des Futters müssen vom eigenen Betrieb kommen oder aus der Region – das macht kürzere Transportwege (Quelle: WWF)

Besser für die Tiere:

o   Mehr Platz für die einzelnen Tiere

o   Einstreu und Frischluft

o   Keine systematischen Eingriffe wie Kupieren von Schwänzen bei Schweinen oder Schnabelkürzen bei Hühnern

o   Keine prophylaktische Antibiotikagabe

Besser für die eigene Gesundheit:

o   Wer Qualität kauft und dafür einen angemessenen Preis zahlt (am besten beim „Bauern nebenan“), muss deutlich weniger Angst vor Skandalen haben (Gammelfleisch, Pferdelasagne ….)

o   Kein schleichender Konsum von Medikamenten/

o   Gutes Gewissen!

Mehr über die Anforderungen und Kriterien der unterschiedlichen Bio-Siegel findet ihr hier.

"Das kann ich mir doch gar nicht leisten!" - Denkste"

 

Zu teuer?

Kann ihr mir nicht leisten?

Klar – aber „Du bist, was du isst“, heißt es nicht selten im Kontext gesunder Ernährung.

Deshalb einfach mal:

  • Weniger Fleisch
  • Dafür besseres Fleisch – also öfter mal Bio kaufen
  •  Lecker vegetarisch kochen

-          Alternativen suchen. Beim Vegetarierbund und bei Vegetarische Rezepte gibt es zum Beispiel viele Ideen und Tipps:

Der Nachhaltigkeitsrat, der im Auftrag der Bundesregierung tagt, hat einen „Nachhaltigen Warenkorb“ zusammengestellt, für alle, die nicht einfach nur essen, was auf den Teller kommt.

 


http://www.nachhaltiger-warenkorb.de