Echt Bissig – Wölflinge haben Recht!

Vom 18. – 20. 6. fand an der Steinbachtalsperre das Diözesanlager der Wölflinge in Kooperation mit Inge zum Thema „Kinderarmut“ und „Kinderrechte“ statt. 150 Wös kamen, um sich dazu schlau zu machen.

Die Lage war ganz schön verzwickt im Märchenland. Die schwachen, guten Märchenfiguren wurden unterdrückt und verfolgt und die Starken verbreiteten Angst und Schrecken und hatten ein schönes Leben. Also trafen sich Aschenputtel, das hässliche Entlein, Hänsel, Gretel, ein Schweinchen und Peter Pan um zu beraten, wie man etwas an der Lage ändern könnte. Den Gegenspielern, dem Stiefmutter-Syndikat bestehend aus der Stiefmutter, Mama-Ente, der Hexe, dem Wolf und Captain Hook waren die Schwachen allein nämlich wirklich nicht gewachsen. Was tun?

Das alles erfuhren die Wölflinge am Freitagabend von der Zahnfee Aldente und ihren beiden Hilfskobolden Holter und Polter (Poldi) beim Bühnenprogramm, denn auf wen fällt letztendlich die Wahl, wenn es mal wieder eine Welt zu retten gibt? Erklärt sich wohl von selbst. Nach einer Traumreise und einmal Schlafen waren die Kinder dann sowohl im Samstagmorgen als auch im Märchenland angelangt, wo sie dann neben der Zahnfee und den Kobolden nun auch Peter Pan und die anderen Schwachen begrüßten und ihnen den Plan erklärten: In Gruppen durch’s Märchenland streifen und Wissen und Erfahrung über die Ungerechtigkeiten auf der Welt sammeln, um später den Fiesen kompetent gegenüber treten zu können, denn im Märchenland bekommt man starke, große Zähne wenn man sich auskennt und ist dann (hoffentlich) wehrhaft genug, um es mit den Großen aufzunehmen.

So liefen die Kinder dann in Kleingruppen von Workshop zu Workshop, die in drei einzelnen großen Bereichen rund um die Steinbachtalsperre verteilt lagen. Geleitet wurden die Workshops entweder von Leuten aus dem „Echt Bissig“-Team oder von Wölflingsleitern (vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die klasse Mithilfe). Das Thema Kinderarmut wurde auf unterschiedlichste Weise den Kindern zugänglich gemacht. So war von spielerischen Stationen bis reinen Diskussionsrunden alles vertreten. Auch inhaltlich konnten die Wös die meisten, teils sehr unterschiedlichen Facetten von Kinderarmut und deren Gegenmaßnahmen kennen lernen. Da gab es Sorgentelefone, Traumreisen, Wunschbaum, Diskussionen und Rollenspiele über Schule, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit sowohl in alltäglichen Situationen als auch im großen Stil, Aufklärung über unterschiedliche Lebensstandards in verschiedenen Ländern und noch viel mehr, aber das muss ja nicht alles aufgezählt werden. Es war ziemlich ungewohnt, das sensible und recht komplizierte Thema „Kinderarmut“ an so junge Kinder weiter zu geben, aber es hat sich einmal wieder gezeigt, dass man den Wölflingen in vielen Punkten mehr zutrauen kann, als das manchmal getan wird. So war manchem Workshopleiter doch fast schon ein bisschen mulmig zumute wenn die Kinder in einer Diskussion plötzlich auf die Fragen „Was ist besser: Als Kindersoldat oder als Verweigerer an Hunger sterben? Und darf / kann das ein Kind selbst entscheiden?“ oder Wös beim Sorgentelefon unheimlich realistisch das sozial verwahrloste Kind spielten.

Nachdem so den ganzen Tag Wissen angehäuft worden war und die Wös nun zu ordentlich Beisskraft durch ihre angesammelten Zähne gekommen waren, ging es zurück zum Samstagabendprogramm auf der Bühne, und dort kam es natürlich zum Showdown: Die von den schwachen Märchenfiguren angelockten Fiesen gegen die Wölflinge, nun mit einem neuen Gebiss ausgestattet. Klar wer da lauter brüllt und den Gegner in die Flucht schlägt, Wölflinge natürlich, versteht sich von selbst. Danach natürlich Partyalarm und Lagerfeuer, versteht sich auch von selbst.

Sonntag stand vor dem Gottesdienst noch eine große Abschlussaktion auf dem Programm: Mit Allen wurden aus Menschenbuchstaben der Spruch „Wölflinge für Kinderrechte“ und zwei Kinderrechte gelegt, die mithilfe einer Hebebühne von oben fotografiert wurden. Das Ergebnis wird nach einer kleinen Nachbearbeitung ;) auf unserer Homepage zum Download bereitstehen, ebenso wie der Kurzfilm über das Lager (letzterer allerdings erst in ein paar Wochen).

Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Den richtigen Ton treffen“. Denn wer für Gerechtigkeit kämpft, wer etwas in den Köpfen anderer Menschen verändern möchte, der muss eben einen Weg finden, dass sein Anliegen gehört wird, darf aber dabei nicht so laut werden, das sich die Anderen schon aus Protest quer stellen.

Danach waren die Kinder dann als nun ausgebildete Kinderrechtsexperten wieder in die normale Welt entlassen.

Fazit: Wetter war glücklicherweise besser als nach dem Wetterbericht erwartet; Stimmung war klasse, die Wös waren vom Freitagabend an durchgehend sehr motiviert (danke Wölflinge, ihr wart super!); Ablauf des Lagers war eigentlich reibungslos; mitgenommen haben die Kinder auf jeden Fall auch einiges, wie man schon im Verlauf des Nachmittags in Diskussionen gemerkt hat; Leiter waren laut Reflexion auch zufrieden; also: Gelungen (Puh! :- )