Montag, 29. März 2021

Gedanken zu den Kartagen und Ostern 2021 - Von Hubert Schneider, Diözesankurat

Liebe Pfadfinder*innen,

das zweite Mal feiern wir Ostern anders als normal. Wieder wird es keine Gottesdienste mit Berührungen, Abendmahl unter beiderlei Gestalten oder Kreuzverehrung geben. Auch der Gottesdienst in der Osternacht wird z.B. ohne gemeinsame Segnung der Osterkerze und gemeinsamer Prozession in den dunklen Kirchenraum (Lumen Christi - Licht Christi) ohne wichtige und tragende Gestaltungselemente auskommen müssen.

Es gibt sicher viele schöne Texte, die das Ostergeschehen beschreiben. Aber auch dieses Ostern?

Ich möchte Euch deshalb einfach an meinen Gedanken teilhaben lassen. Vielleicht könnt Ihr mit meiner Wahrnehmung mitgehen.

Schon am vergangenen Sonntag, Palmsonntag, Einzug Jesu in Jerusalem, war mir das laute “Hosanna!” zu laut, zu fröhlich, zu triumphal. Es passt nicht zu meiner Stimmung, es passt nicht zur Stimmung vieler Menschen. Die Corona-Pandemie lähmt uns. Wir erleben Rückschläge und Chaos, unsere Hoffnungen auf Teile von Normalität rücken in immer weitere Ferne. Dazu kommt die Lage in der Kirche von Köln. Die Vorstellung des Missbrauchsgutachtens war ein erster Schritt, doch die Hoffnung, dass darauf nicht nur kosmetische Korrekturen, sondern ein wirklicher Veränderungsprozess geschieht, keimt nur noch bei wenigen Menschen. Dabei haben wir von der notwendigen, aber sich immer weiter verzögernden Kirchenentwicklung im Erzbistum noch gar nicht gesprochen. Zusammengefasst kann man sagen: viel Krise, viel Katastrophe, wenig bis gar keine Hoffnung. Es gibt das Wort “Grabesstimmung”. Ich vermute, das beschreibt unsere Stimmung recht genau.

Exakt das beschreibt auch die Erfahrung der Jünger*innen Jesu an Karfreitag und Karsamstag. Der, auf den sie ihre Hoffnungen gesetzt hatten, wurde ermordet. Alle ihre Hoffnungen für Israel, aber auch ihr eigenes Leben waren mit Jesus gestorben, zu Grabe getragen.  “Wie soll das Leben nach der Katastrophe weiter gehen?”

Die österlichen Bibeltexte beginnen genau hier, am Grab. Am Ostermorgen gehen die Frauen um Maria Magdalena zum Grab und finden es geöffnet und leer vor. Doch über das Geschehen der Auferstehung selbst wird nichts gesagt, dafür gibt es keine Zeugen und keine Vorstellungen. Erst danach berichtet die Bibel von ganz unterschiedlichen Begegnungen der Jünger*innen mit dem Auferstandenen. Im gegenseitigen Erzählen vergewissern sie sich dieser Erfahrungen und so kann der gemeinsame Osterglaube wachsen. Die Erfahrung des Auferstandenen ist der gemeinsame Nenner der ganz unterschiedlichen Begegnungen.

Er ist das uns gemeinsame tragende Fundament: Auferstehung wird es geben! Diese Hoffnung, mehr noch Gewissheit, eint uns Christen.

Gerade jetzt ist es wichtig, dass ich von vielen verschiedenen Menschen Bekenntnisse zum auferstandenen Jesus Christus höre. Die Bekenntnisse werden so unterschiedlich sein wie die Menschen unterschiedlich sind. Wenn da mehrere nebeneinanderstehen, gibt es da auch noch einen Platz für mich, auf den ich mich stellen kann. Ich passe dann mit meinem Glauben auch noch dazu.

Deshalb werde ich - trotz aller Abstriche - zum Osternachtsgottesdienst gehen.

Und vielleicht probiere ich es doch noch mit “Halleluja”.

Und vielleicht höre ich auch von anderen “Halleluja”.

Ich bin in den vergangenen Wochen immer wieder zu einem Apfelbaum in der Nähe gegangen, um die Knospen zu fotografieren. Es braucht viel Aufmerksamkeit, um in der Langsamkeit der Natur eine Entwicklung zu entdecken. Doch ich vertraue darauf, weiß darum, dass die Knospe aufbrechen wird, von einem auf den anderen Tag, und ihre ganze Schönheit und Fülle zeigen wird. Mein Osterbild in diesem Jahr ist noch nicht die Blüte, es ist die Knospe. Aber ich traue der darin enthaltenen Verheißung!